Haus Blessenohl
Zerstrittene Ritter und tapfere Mütter
Das stattliche Haus Blessenohl war im Laufe seiner Geschichte Rittergut, Altersheim und beinahe Stätte eines Johanniter-Ordens. Es hat über die Jahrhunderte adlige Familien kommen und gehen sehen – dennoch hieß keine „Blessenohl“, obwohl es diesen Nachnamen seit dem 19. Jahrhundert gibt. Die Bezeichnung bezieht sich auf die feuchte Gegend: „Bless“ bedeutet „sumpfiges Gebiet“, „ohl“ ist die Sumpfwiese. Das heutige Gutshaus steht in der ursprünglich noch gewässerreicheren Niederung an der Wenne. Im frühen 15. Jh. war hier ein Bauernhof in Adelsbesitz. Er war die Keimzelle des späteren Ritterguts, mit dem aufregende Geschichten verbunden sind.
1425 gehörte der „Hof zu Blessenohl“ Heinrich von Beringhusen, Mitglied einer bedeutenden Ritterfamilie. Er übergab die Hofstelle 1427 an die Familie von Schade. Nach blutigen Erbstreitereien überlegte Joseph von Schade 1740, das Haus zur Johanniter-Kommende umzuwandeln. Doch dann wurde es zum Rittergut. Das kaufte Freiherr Caspar von Wrede 1817 und heiratete Marie Antoinette von Fürstenberg. Die Ehe endete unglücklich in Scheidung; der Freiherr wurde 1832 ermordet.
Maximilian von Kleinsorgen ersteigerte das Gut und überführte es in einen Fideikommiss, um das Familieneigentum zu sichern. Solche Konstrukte wurden in der Weimarer Republik aufgelöst, das Gut kam 1924 unter Verwaltung durch das „Auflösungsamt für Familiengüter“. Von 1935-44 war es ein Landjahrheim. Nach dem 2. Weltkrieg beherbergte es u.a. Flüchtlinge, ein Altersheim und ein Freizeit-und Bildungswerk. Heute ist Gut Blessenohl in Privatbesitz.
Das Hauptgebäude des ehemaligen Ritterguts Blessenohl ist hell verputzt und hat ein blechgedecktes Satteldach mit mehreren Gauben. Über einem Keller mit Tonnengewölbe und durchdringenden Stichkappen folgen zwei weitere Geschosse. Bauspuren im Keller deuten darauf hin, dass das Haus auf ein älteres Gebäude gesetzt wurde.
Das breitgelagerte Haupthaus besitzt 5 x 11 Fensterachsen und einen Mittelrisalit, also einen leicht vorgelagerten Gebäudeteil mit eigenem Giebel, vor dem eine zweiarmige Freitreppe in den Haupteingang führt.
Ursprünglich hatte das Haus ein mit Schiefern und Pfannen gedecktes Krüppelwalmdach. Zusammen mit den rechts und links im rechten Winkel liegenden Nachbargebäuden und weiteren gegenüberliegenden Gebäuden ergibt sich heute das Bild eines klassischen Gutshofs. Haupthaus und Scheune bzw. Stall sind historisch; sie wurden um die 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und stehen unter Denkmalschutz.
Das adlige Leben schützte auf Gut Blessenohl nicht vor Streit und Kummer. In manchen Jahren spielten hier fröhliche Kinder, in anderen hing der Haussegen mehr als schief. 1569 etwa tötete Rötger von Schade bei einem Erbstreit seinen Bruder Tönnies.
Schlecht war die Stimmung auch im Mai 1825, als ein Findelkind auf der Freitreppe lag. Antoinette von Fürstenberg, gerade selbst zum vierten Mal Mutter geworden, trennte sich darüber von ihrem Mann Caspar von Wrede. Öffentlich wurde nie geklärt, ob er der Vater des Findelbabys war. Er blieb als hundenärrischer Eigenbrötler zurück und wurde später auch ermordet.
Später war das Haus Heim und Bildungsstätte: In den 1930er und -40er Jahren lernten hier Jugendliche in einem nationalsozialistischen „Landjahr“ Landwirtschaft. Ab 1952 betrieben Nonnen ein Altenheim. 1978-2005 kamen Jugendgruppen über das Familienbildungswerk Westfalen. In dieser Zeit wurde das Haus in Freiwilligeneinsätzen renoviert.
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Aus dem Nähkästchen geplaudert...
Ein Findelkind veränderte die Geschichte des Hauses Blessenohl: Am 10. Mai 1825 wurde es auf den Stufen des Gutshauses gefunden. Schnell munkelte man, es sei der Sohn des Freiherrn Caspar von Wrede, die Mutter eine ehemalige Kammerzofe. Das blieb zwar unbestätigt, doch plötzlich ging die Ehe zwischen dem Freiherrn und seiner Frau Marie Antoinette von Fürstenberg in die Brüche. Antoinette zog zusammen mit den vier gemeinsamen Kindern aus und betrieb die Ehescheidung. Ihr Vater Friedrich Leopold von Fürstenberg unterstützte sie dabei und kappte die Verbindung zu Caspar von Wrede aufs Nötigste. Caspar blieb verarmt auf Blessenohl zurück. 1832 wurde er unter ungeklärten Umständen im Wald erschossen.
Der kleine Junge aber wurde getauft, erhielt den Namen Anton Blessenohl, nach dem Taufpaten und dem Fundort. Er wuchs bei Pflegeeltern auf, heiratete, bekam selbst Kinder und seine Nachfahren leben noch heute.
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