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Burg Rappelstein

Grafen und Edelherren in Nordenau

Rund 600 Jahre lang verfiel die Burg Rappelstein: Trotzdem wirken die Grundmauern fast, als seien sie frisch erbaut. Das spricht für die Maurerkunst des 13. Jahrhunderts – und macht die Burgruine zum ausdauernden Wahrzeichen Nordenaus. Schon von weitem sieht man den viereckigen grauen Klotz oberhalb der Kirche. Einen guten Blick hatten die Erbauer von ihrer Höhenburg auf die sogenannte Heidenstraße: Die Edelherren von Grafschaft überwachten eine bedeutende Handelsroute, die von Köln über Kassel bis nach Leipzig führte. Sie nannten ihre Burg „Norderna“. Doch die Macht der mittelalterlichen Adelsfamilie währte nicht lange …

Der Bau der Burg markiert den Höhepunkt der Familiengeschichte der Edelherren von Grafschaft. Sie waren Vögte im Dienst des Grafen von Arnsberg. Vogt Adolf I. ließ 1260 die Burg Norderna bauen. Hier befand sich die mittelalterliche Strafjustiz, das Femegericht. Auch der wichtige Handelsweg ließ sich gut kontrollieren. 

Die Nachfolger von Adolf, die Brüder Kraft I. und Widekind, waren weniger erfolgreich und mussten ihr Eigentum beleihen. Teilweise ging die Burg an die Grafen von Waldeck. Es folgten Kämpfe mit den Grafschaftern, Streit mit dem Erzbistum, Geldprobleme und Bewohnerwechsel. 1471 ziehen die Edelleute nach Ober-Ense und sterben schließlich ganz aus. Die Burg von Norderna verfällt.  Im 18. Jahrhundert behält der Fürst von Waldeck nur das Jagdrecht auf Hirsche und Schweine. Die Nordenauer dürfen Burg und Gelände nutzen. Aus den Steinen bauen sie Wohnhäuser und Ställe. Allein der trutzige Burgfried bleibt überwiegend erhalten.

Der quadratische Burgfried auf dem Rappelstein war im Mittelalter ein stattlicher Bau. Die 2,5 m dicken Mauern aus Grauwacke, einem quarzhaltigen Sandstein, sind mit Kalkmörtel verfugt und auf jeder Seite 12 m lang. Vermutlich erweiterte der Burgherr ein bestehendes Gebäude. Das Holz stammt laut Untersuchungen aus der Zeit um 1100.

Ursprünglich war der Turm höher. Das Grundgeschoss war mit Steinen verfüllt. Darüber lag der Vorratsraum. Ein hochgelegener Zugang führte in das Wohngeschoss im 3. Stock. Dort gab es einen Kamin an der Ostwand und ein Fenster nach Norden. In Aufzeichnungen ist von weiteren Wohnetagen die Rede.

Westlich des Turms war ein Tor, rechts davon das „Haus“ von Kraft I. („de kemmenade wan man int der Burgk gehet“). 1284 kam eine „steinerne Kemnade“ von Widekind dazu. Die gesamte Anlage umfasste zwei Burgen, die von einer Mauer und einem tiefen Graben umgeben waren.

1967 wurde die befestigte Ruine zur Aussichtsplattform.

Adolf I. war der erste Vogt der Edelherren von Grafschaft. Er ließ den erhaltenen Burgfried bauen. Seine Nachfolger teilten den Besitz und wohnten gemeinsam auf der Burg. Sie schlossen unterschiedliche Bünde. So durften die Truppen des Grafen von Arnsberg ab 1297 in der Burg lagern. Erzbischof Walram bekam 1338 das gleiche Recht für einen anderen Teil der Festung. Schließlich erhielt noch Graf von Waldeck mehrere Teile der Burg. Spätestens da wird es unübersichtlich. Dem Enkel des Erbauers, Johann II., gehörte zu dieser Zeit ein Teil und er wollte diesen nutzen. (Schließlich hatte er 11 Kinder!) Graf Waldeck nahm Johann gefangen, ließ ihn aber schnell wieder frei und entschädigte ihn mit der Hälfte der Burg. Allerdings musste Johann diese beleihen, und Waldecks Soldaten hausten weiter dort. Es muss mitunter sehr voll gewesen sein. 1471 hatte der Trubel ein Ende, und die recht heruntergewirtschaftete Burg zerfiel bis auf den Burgfried.

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Aus dem Nähkästchen geplaudert...

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Über Jahrhunderte sahen die Nordenauer die Burgruine als praktische Quelle für Baumaterial. Erst um 1900 gab es archäologische Grabungen, bei denen historische Mauern freigelegt wurden. 1926 dann eine kleine Sensation: Ein Archäologe fand eine romanische Bronzeschale von etwa 30 cm Durchmesser. Sie ist aufwändig mit einer Geschichte nach den Metamorphosen von Ovid verziert und zeigt eine antike Romanze in vier Bildern: Pyramus möchte Thysbe unter einem Maulbeerbaum treffen. Dort findet er aber nur ihren Schleier. Er denkt, sie sei von einer Löwin gefressen worden, und stürzt er sich in sein Schwert. Als Thysbe kommt, ist es zu spät und sie nimmt sich auch das Leben.  Im Zentrum der Schale trohnt Superbia, die Hochmut. Forschende vermuten, dass die Schale im Alltag genutzt wurde, vielleicht zur Zierde oder als Tischgeschirr. Sie befindet sich heute im Westfälischen Museum in Münster. Fotos von ihr gibt es im Haus der Heimat in Nordenau."

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